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Anmeldungsdatum: 09.11.2006
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BeitragVerfasst am: 13.11.2006, 12:20    Titel: IBF-Weltmeister Antworten mit Zitat




IBF-Weltmeister Klitschko nicht ganz zufrieden
255 Tage nach seinem überzeugenden Titelgewinn über Chris Byrd aus den USA wirkte Klitschko lange Zeit zu statisch und verkrampft.


Box-Schwergewichtsweltmeister Wladimir Klitschko verließ nach seiner erfolgeichen IBF-Titelverteidigung den New Yorker Madison Square Garden mit gemischten Gefühlen: Einen Teil seines Großauftrags hat der 30-Jährige am Samstagabend (Ortszeit) durch den K.o.-Sieg über den bis dahin ungeschlagenen US-Herausforderer Calvin Brock nach 2:10 Minuten in der siebenten Runde erfüllt, aber die erhoffte Ring-Gala für den lukrativen US-Markt war es nicht.

"Es war nicht leicht. Ich hätte den Gegner früher besiegen sollen. Das Ergebnis ist gut, ich bin fast komplett zufrieden", analysierte der Champion, der einen Cut über dem linken Auge als "Andenken" an seinen 47. Sieg (42 durch K.o.) im 50. Profi-Fight mitnahm.

Das Ergebnis hat zwar gestimmt, das Erlebnis nur bedingt. 255 Tage nach seinem überzeugenden Titelgewinn über Chris Byrd aus den USA wirkte Klitschko lange Zeit zu statisch und verkrampft. Dabei hatte es so vielversprechend begonnen. Als er um 23.22 Uhr Ortszeit in einem roten Satin-Bademantel den Ring bestieg, wurde er von den 14.260 Zuschauern stehend wie der große Hoffnungsträger der kränkelnden Schwergewichtsszene empfangen.

Muhammad Ali im Publikum

Selbst der legendäre Muhammad Ali war nach dem Sieg seiner 30-jährigen Tochter Laila im Vorprogramm dageblieben, um sich ein Bild vom Ukrainer zu machen. Vor 35 Jahren hatte Ali an gleicher Stätte gegen "Smokin'" Joe Frazier verloren. Laili Ali verteidigte nun mit einem K.o.-Erfolg in Runde vier über ihre US-Landsfrau Shelley Burton ihren Supermittelgewichts-WM-Titel erfolgreich und schraubte damit ihre makellose Bilanz auf 23 Profisiege (20 durch K.o.).

Vielleicht hat der Mythos Madison Square Garden Klitschko gelähmt, vielleicht wollte er vor den zahlreichen Prominenten - Boris Becker, Joschka Fischer, Dustin Hofmann - zu viel. Nach einer guten Eröffnungsrunde war der Champion in den Runden zwei bis vier nicht aktiv genug. Brock, in 29 Kämpfen ungeschlagen, war ein harter Brocken, weil unbequem und defensivstark, aber auch der Banker aus North Carolina glänzte eher durch Abwarten.

Pfiffe von der Menge

In Runde fünf mussten sich die beiden Protagonisten sogar Pfiffe von der Menge gefallen lassen. "In den ersten Runden war Wladimir vielleicht ein bisschen steif, aber danach ist er warm geworden. Er ist einfach der Beste", meinte 41-jährige Ex-Champion Lennox Lewis aus Großbritannien, der das Akademiker-Treffen zwischen Dr. Klitschko und dem studierten Wirtschaftswissenschaftler Brock für den US-Kabelsender HBO kommentierte.

Trotz zehn Zentimeter größerer Reichweite, deutlich mehr Erfahrung und der größeren Schlagkraft brauchte Klitschko in seinem zehnten Titelkampf lange, um den Rhythmus zu finden. Als sich der 1,98-m-Riese in der sechsten Runde nach einem unabsichtlichen Kopfstoß des Gegners auch noch ein Cut über seinem linken Auge zuzog, machte sich sein Bruder Witali Sorgen. "Ein Cut ist immer ein Problem. Wladimir hatte Probleme, den richtigen Schlüssel zu finden", gab Witali Klitschko zu.

In der siebenten Runde fand "Dr. Dampfhammer" aber trotzdem den Schlüssel zum Erfolg. Mit der linken Führhand bereitete er den K.o. vor, mit einer krachenden Rechten schickte er Brock schließlich auf die Bretter. Ende gut, aber nicht alles gut, denn Klitschko hat die große Chance, im historischen Garden Werbung in eigener Sache zu machen, nicht genutzt. Damit besteht weiterhin ein Vakuum in der Weltspitze der Schwergewichtler.

"Wladimir war am Anfang vielleicht ein bisschen zu defensiv, aber nervös war ich nie. Er hatte immer alles unter Kontrolle", erklärte Klitschkos Trainer Emanuel Stewart, "ich würde ihn jetzt am liebsten gegen Nikolai Walujew sehen."

Im Frühling 2007 will sein Schützling wieder in den Ring steigen. "Ich will den Titel so schnell wie möglich vereinigen", betonte Klitschko. Potenzielle Gegner gibt es genug. Selbst der 44-jährige Ex-Weltmeister Evander Holyfield aus den USA brachte sich durch einen wenig überzeugenden Punktsieg am Freitag in San Antonio über Fres Oquendo wieder ins Gespräch. Nur Lennox Lewis will sich nicht zu einem Comeback überreden lassen. Darauf angesprochen, sagte der Engländer nur: "Hört auf, ich bin zu fett."
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